Tennis: Aktuelles, Informationen & Geschichte

Tennis: Aktuelles, Informationen & Geschichte

Melbourne, London, Paris und New York? 

Was verbindet diese vier Städte miteinander? Sie alle sind Austragungsorte der vier wichtigsten Turniere in einer der weltweit populärsten Sportarten. Ob auf Sand, Gras, Teppich oder Hardcourt: Überall heißt es Aufschlag, Topspin, Longline, Lob, Smash – Spiel, Satz, Sieg! Der Tennisball springt überall! Tennis ist nicht erst seit Roger Federer oder Rafael Nadal eine der am meisten betriebenen (Breiten)Sportarten der Welt. Tennisspiele findet man natürlich auch auf Sportwettenseiten.

Im Spiel eins gegen eins, nur mit einem Schläger bewaffnet, wird versucht einen, meist gelben, mit Filz überzogenen Ball in die gegnerische Hälft eines rechteckigen Feldes zu schlagen, sodass dieser ihn am besten nicht mehr retournieren kann. Erschwert wird das ganz durch ein in der Mitte des Feldes platzierten Netzes, das es ebenso zu überwinden gilt. Das Spielfeld ist in (ganzen und halben) englischen Fuß (1 ft = 0,3048 m) definiert. Es ist 78 ft (23,77 m) lang und für das Einzel 27 ft (8,23 m), für das Doppel 36 ft (10,97 m) breit. Das Spielfeld wird durch verschiedene Linien zur Seite und nach hinten begrenzt, die sogenannten Grund- und Seitenlinien. Die Linien zählen als Spielfeld. Das heißt, fällt der Ball (auch nur teilweise) auf eine der Linien, so ist er weiterhin spielbar und regulär im Spiel. Der Ball darf pro Platzhälfte nur einmal den Boden berühren und kann mittels verschiedener Schlagtechniken für jeden Gegner so unangenehm wie möglich gemacht werden. Neben den Grundschlagarten wie der Vorhand oder der Rückhand (einhändig oder beidhändig) kann man dem Ball auch in verschiedenen Winkeln etwas Drall oder Effet mitgeben. Versetzt man dem Ball einen Rückwärtsdrall (Slice = Rotation gegen die Flugrichtung) oder spielt man ihn scharf und flach (Topspin); je nach Können des einzelnen Spielers hat man die Qual der Wahl. Ist man mehr der Grundlinienspieler (Typ Nadal) oder eher der Serve und Volley Spezialist (Marke Boris Becker), im Tennis hat jeder die Möglichkeit sein Spiel zu finden und weiter zu entwickeln.

In den letzten Jahrzenten hat sich das Tennis sehr rasant entwickelt. Das Spiel wurde schneller und die Sportler athletischer. Der Beginn der „Open Era” in den späten 1960er Jahren und die damit einhergehende Kommerzialisierung hat den Tennissport in vielen Bereichen revolutioniert und verhalf dem bis dahin sehr exklusiven Sport zum Durchbruch in weite Teile der Gesellschaft. Vor der Open Era (Offene Turniere) durften nur Amateure an den Turnieren teilnehmen. Bereits seit den Anfangstagen des Tennis war die Teilnahme bei Turnieren und die Mitgliedschaft in Tennisvereinen ausschließlich „Amateuren“ vorbehalten. Diese Regelung fand später auch bei den Olympischen Spielen Anwendung und war im Tennis grundsätzlich bis 1968 gültig. Ein Amateur war in der Vorstellung ein idealtypischer Sportler, der seinen Sport nicht aus finanziellen, sondern allein aus der Liebe zum Sport heraus betreibt. Tatsächlich schloß man somit die “unteren” Schichten aus den Turnieren aus, denn die Mitgliedschaft in den Vereinen oder die Turnierkosten konnte sich nur ein “Gentleman” aus der mittlern oder oberen Schicht leisten.

Das Tennisjahr ist seitdem immer mehr nach den vier großen Turnieren, den Grand Slam Turnieren, ausgerichtet. Beginnend im Jänner mit den Australian Open in Melbourne folgen im Frühjahr die French Open in Paris, kurz darauf fliegen die Bälle im All England Club von Wimbledon in London, wo traditionell alle Spieler in weiß gekleidet antreten und auf Rasen spielen. Den Abschluß des Grand Slam Jahres macht das Turnier im Big Apple, die US Open in Flushing Meadows, New York. Bisher gab es in der langen Tennishistorie nur sieben Spieler, die jedes dieser Turnier zumindest einmal gewinnen konnten. Fred Perry (1935), Donald Budge (1938), Rod Laver (1962), Roy Emerson (1964), Andre Agassi (1999), Roger Federer (2009) und Rafael Nadal (2010). Einer von ihnen, ein gewisser Roger Federer, hat auch die meisten Grand Slam Siege aller Zeiten auf seiner Visitenkarte stehen. 17 an der Zahl konnte der Schweizer Gentleman für sich entscheiden. Der so genannte „Grand Slam“, alle vier großen Turniere in einem Jahr zu gewinnen, blieb Federer aber verwehrt. Dies schaffte bisher nur Rod Laver (1962 und 1969) und Donald Budge (1938).

Folgende wichtige Turniere zählen zu den Grand Slam Turnieren:

  • Australian Open
  • French Open
  • Wimbledon
  • US Open

Die ATP (Association of Tennis Professionals) so wie man sie heute als Schirmherr aller Tennisturniere weltweit kennt, wurde erst im Jahr 1972 während der US Open von aktiven Spielern gegründet. Aufgrund ständiger Probleme und Streitigkeiten der Vorgangerverbände ILTF (International Lawn Tennis Federation) und WCT (World Championship Tennis) konnte die ATP immer mehr an Einfluß gewinnen und konnte mit der Erstellung der ersten wöchentlich erscheinenden ATP-Weltrangliste einen ersten Meilenstein im modernen Tennis setzen. Zur gleichen Zeit gründeten aktive Spielerinnen während Wimbledon 1973 die heute noch das Damentennis regulierende WTA (Women´s Tennis Association) mit der Präsidentin Billie Jean King.

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Roger Federer

Dass Tennis nicht nur ein Einzelsport ist, erkennt man auch an der zunehmenden Begeisterung am Doppel. Hierbei stehen sich immer zwei Paare gegenüber (Herren-, Damen- oder Mixed-Doppel). Das Doppel ist auch ein entscheidender Bewerb bei den Ländervergleichen, die im Herrentennis als Daviscup und im Damentennis als Fed-Cup bezeichnet werden. Auch hier gibt es jedes Jahr einen Wettbewerb, bei dem am Jahresende eine Nation sich Daviscup- bzw. Fedcupsieger nennen darf. Jedes Land stellt hierfür seine Topspieler auf und die Nation mit Heimrecht darf den Untergrund wählen, um zumindest einen gewissen Vorteil sein Eigen nennen zu dürfen.

Neben all diesen großen Turnieren gibt es natürlich auch noch etliche kleinere, aber nicht minder wichtige, um im Verlauf des Jahres wichtige Punkte für die Weltrangliste zu sammeln. Im Jahr 2014 konnte sich Novak Djokovic aus Serbien zum Jahresende zur Nummer eins gratulieren lassen. Dahinter folgen mit Roger Federer (SUI), Rafael Nadal (ESP), Stan Wawrinka (SUI), Kei Nishikori (JPN), Andy Murray (SCO) das Who-is-Who des Tennissports. Nach der nicht mehr ganz so neuen, aber immer noch aktuellen Regeländerung, dass die Spieler ihre Punkte aus dem Vorjahr bei Turnieren verteidigen müssen, kann man sich auch nicht nur auf die Big Four konzentrieren, sondern muss wirklich bei vielen Turnieren um jeden einzelnen Punkt kämpfen. Wer kann 2015 dem Joker (Novak Djokovic) die Nummer eins streitig machen und schon Anfang des Jahres 2015 in Melbourne aufzeigen?

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